Was machen eigentlich Psychologinnen?

  • von

Über die Tätigkeiten von Psychologinnen

So wie bei jedem Beruf gibt es auch bei der Psychologie einige Fragen, die immer wieder gestellt werden. Das sind absolut berechtigte Fragen, und die Antworten darauf sind auch mir teilweise erst im Lauf des Studiums klar geworden:

Was machen Psychologinnen denn eigentlich?

Macht eine Psychologin nicht dasselbe wie eine Psychiaterin?

Was ist der Unterschied zwischen Psychologinnen und Psychotherapeutinnen?

Und die Frage, die ich am häufigsten von neuen Bekanntschaften zu Beginn höre:

„Hast du mich jetzt schon analysiert?“

Meiner Erfahrung nach denke die meisten Menschen bei „Psychologinnen“ an das Berufsbild der klinischen Psychologin. Das sind jenen Psychologinnen, die Menschen bei psychischen Störungen oder Krankheiten helfen. Und tatsächlich ist dieses Berufsfeld für viele der Grund, um mit einem Psychologie-Studium zu beginnen.[1] Die Psychologie ist jedoch ein enorm breites Fachgebiet, das quasi alle Bereiche menschlichen Lebens erfasst. Kurz, es gibt sehr viel mehr Tätigkeitsgebiete für PsychologInnen als nur die klinische Psychologie, und darauf möchte ich gleich noch weiter eingehen. Nichtsdestotrotz ist es aber die klinische Psychologie, die eben so bekannt ist und zugleich auch einen großen Erklärungs- bzw. Abgrenzungsbedarf zum Beruf der Psychiaterin bzw Psychotherapeutin hat – und diese Unterschiede möchte ich zunächst noch erläutern:


Unterschiede klinische Psychologin – Psychiaterin – Psychotherapeutin

Während es allen drei Berufsgruppen letztlich darum geht, Menschen mit psychischen Störungen bzw. Krankheitsbildern zu helfen, also zunächst das Vorliegen einer Störung bzw. Krankheit abzuklären und im Bedarfsfall zu behandeln, haben die drei Berufe (jedenfalls in Österreich) unterschiedliche Ausbildungswege.

Klinische Psychologin

Ein Tätigwerden im Bereich der Klinischen Psychologie setzt nach Absolvierung des Masterstudiums der Psychologie daran anschließend eine theoretische und praktische Ausbildung speziell im Bereich der klinischen Psychologie voraus. Es handelt sich um eine gem. § 29 Psychologengesetz 2013 geschützte Berufsbezeichnung. Diese Bezeichnung als „klinische Psychologin“ darf nur unter Einhaltung der dort genannten Voraussetzungen erfolgen: nach Abschluss des Psychologiestudiums (Master oder gleichwertig) und einer daran anschließenden theoretischen und praktischen Ausbildung mit Abschlussprüfung ist zusätzlich auch noch ein Formalakt, nämlich Eintragung in eine von der Bundesmisterin für Gesundheit geführten Liste erforderlich.

Psychiaterin

Psychiaterinnen haben nach Abschluss des Medizinstudiums die Facharztausbildung Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin abgeschlossen, das heißt auch hier gibt es strenge Voraussetzungen an die Berufsausübung. Einer der wesentlichen Unterschiede zwischen Psychologinnen und Fachärztinnen für Psychiatrie ist die Möglichkeit von Ärztinnen, Medikamente zu verschreiben – in Österreich dürfen sogar ausschließlich Ärztinnen Medikamente verschreiben.

Psychotherapeutin

Psychotherapeutinnen in Österreich haben ebenfalls eine lange Ausbildung hinter sich, müssen aber weder Medizin noch Psychologie studiert haben. Das Psychotherapeutische Propädeutikum und daran anschließend das Fachspezifikum, bei dem eine „Psychotherapieschule“ gewählt wird, stellen eine gründliche Ausbildung von Psychotherapeutinnen sicher. „Schulen“ gibt es hier verschiedene, und zukünftige Therapeutinnen suchen sich hier die für sie passende Schule vor Beginn des Fachspezifikums aus. Eine weltweit bekannte Psychotherapieschule ist die von Siegmund Freud begründete Tiefenpsychologie. Die für ein Gespräch mit Psychologinnen beliebte Einstiegsfrage „Du wirst mich jetzt bestimmt gleich analysieren, stimmts?“  zielt auf diese Schule ab. Es gibt aber darüber hinaus noch viele andere Richtungen, zB die systemische Therapie (jeder Mensch lebt in einem System, zB seiner Familie, Freunde, Beruf etc. und kann nicht isoliert betrachtet werden), oder auch Verhaltenstherapie.[2]

Vielfältige Tätigkeitsgebiete von Psychologinnen

Aber während die erste Frage lautete, was denn Psychologinnen eigentlich machen, habe ich bisher nur einen einzigen Bereich (zugegeben, einen sehr relevanten Bereich, in dem ein Großteil der Psychologinnen tätig ist) dargestellt. Aber eigentlich gibt es für Psychologinnen so viel mehr zu tun!

Schon die Fächer im Psychologiestudium (Universität Wien) sind ein sehr guter Indikator für die Vielfalt:

  • Kognitions- und Emotionspsychologie
  • Biologische Psychologie
  • Sozialpsychologie
  • Entwicklungspsychologie
  • Differenzielle Psychologie
  • Diversitäts- und Genderforschung
  • Methodische und diagnostische Grundlagen
  • Klinische und Gesundheitspsychologie
  • Bildungspsychologie und Evaluation
  • Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie

Das sind jetzt einmal nur jene Fächer, die im Lehrplan der Uni Wien als Hauptfächer vorkommen. Darüber hinaus gibt es jedoch auch noch andere Richtungen der Psychologie, wie zB die sehr aktuellen Gebiete der Umweltpsychologie und Konsumentenpsychologie.

Beispiele für Tätigkeiten von Psychologinnen

In all diesen Fächern können Psychologinnen tätig werden. Abschließend möchte ich noch ein konkretes Beispiel geben, und zwar anhand der differentiellen Psychologie: Es handelt sich dabei um einen Teilbereich der Psychologie, der sich im Gegensatz zur allgemeinen Psychologie nicht mit den Gemeinsamkeiten der Menschen beschäftigt, sondern mit den Unterschieden zwischen den Personen. Gute Beispiele sind Persönlichkeit und Intelligenz, weil es hier klar auf der Hand liegt, dass von Mensch zu Mensch große Unterschiede bestehen. Interessant wird es, wenn jemand wissen möchte, wo die individuellen Stärken und Schwächen liegen, und auch, wie damit in Folge weiter umgegangen werden kann – Stichwort Begabungsförderung oder Kompensieren von Schwächen. Psychologinnen können hier sowohl in der Testung tätig sein, beginnend mit der Auswahl geeigneter Tests, je nach Fragestellung. Im weiteren Schritt werden die Tests ausgewertet und die Ergebnisse in einer gesamthaften Zusammenschau interpretiert. Und letztlich ist es die Aufgabe der Psychologin, Handlungsempfehlungen – also Antworten auf die Frage der Klientinnen – zu geben.

Dies kann auch in einem entwicklungspsychologischen Kontext passieren, wenn es zB um die Entwicklung und Förderung von Kindern geht. Es kann aber genauso gut sein, dass eine Arbeitgeberin die für die Position am besten geeignete Kandidatin auswählen möchte, und dafür ein möglichst objektives Verfahren sicherstellen möchte. Dann wird die Psychologin, basierend auf den Wünschen der Auftraggeberin, im Vorfeld Kriterien ausarbeiten, die von den Bewerberinnen dann bestmöglich erfüllt werden sollten. Auch hier kann es wieder erforderlich sein, mit psychologischen Tests zu arbeiten. Bekannt sind auch hoch strukturierte Verfahren: „Assessment-Center“ zur Auswahl. Dieser Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie ist auch ein großes Anwendungsfeld für Psychologinnen.

Selbstverständlich arbeiten Psychologinnen aber auch in der Forschung, und zwar in sämtlichen der oben genannten Bereiche (und noch viele andere mehr). Wissenschaftlich zu arbeiten, und empirisch gesicherte Aussagen zu treffen, war von Beginn an ein Anliegen des verhältnismäßig jungen Forschungsbereichs der Psychologie. Mehr dazu aber an anderer Stelle, im Beitrag zur Psychologie als Wissenschaft (coming soon).


[1] Dieser Aussage liegt keine statistisch repräsentative Umfrage zugrunde. Vielmehr meine Erfahrung in einem brechend vollen Hörsaal zu Beginn meines Studiums: auf die Frage, wer von den Anfängerinnen denn später einmal Richtung klinische Psychologie gehen möchte, hoben geschätzt 7/8 der Anwesenden die Hand.

[2] Einen guten Überblick findet man unter: https://www.psyonline.at/contents/13405/psychotherapie-methoden.

[3] Icons von Freepik and Kiranshastry von www.flaticon.com.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.